Dumm Tüch!

Dienstag 19.10.

Montag 18.10.

15,00 Hallo Helmy! Bist Du genau so stolz wie ich?

Zwei kleine Schelme und eine schöne Mutter! Mutter sagt : “ Leon sieht aus wie Michel aus Lönneberga , aber er ist Leon aus Lindlar.

10,00 Ich bin als Kind und Jugendlicher sehr viel mit behinderten Menschen in Kontakt gekommen. Freunde und Freundinnen meiner Tante Ise, die mit Ihr zusammen lange Zeit zusammen in den Bethelschen Anstalten In Volmarstein gewesen waren. Ich erinnere mich gut an (als Kind mußte ich sie mit“Tante“ zusammen mit dem Vornamen anreden) also, Tante Grete aus Neheim Hüsten, Tante Lulu aus Milspe Tante Hilde aus Bochum, Tante Erna aus ?. Und Herrmann aus ? Das war ein A-Loch und ich habe mich als Kind schon geweigert ihn „Onkel“ zu nennen. Meine „Lieblingstante“ war Tante Jenny. Sie wohnte alleine in ihrem kleinen Bauernhaus auf Hunsdiek, direkt neben dem Gasthof Piepenstock. Jenny war meine Erwachsene Freundin. Ich war sehr oft in den Ferien ein paar Tage zu Gast bei Ihr. Ich habe es genossen als Junge, zusammen mit ihr zu Frühstücken und als Erwachsener von ihr behandelt zu werden. Hinter dem Haus war eine große Wiese mit alten Bäumen und ich habe oft bei Sonnenschein im Schatten unter diesen Bäumen gelesen. Für mich ist das heute noch der schönste Platz auf dieser Erde. (In meiner Erinnerung) Ich weiß gar nicht wie es heute da aussieht. Bin Jahrzehnte nicht mehr auf Hunsdiek gewesen.

7,30 Gestern Abend hat mir eine Freundin durch die Blume gesagt, ich solle doch mal aufhören zu jammern. Ich hätte so viel Glück gehabt im Leben und Helmy und ich wären zusammen fast 80 Jahre alt geworden. Soll ich jetzt jedesmal singen, wenn ich todtraurig bin :“Ich habe Glück gehabt, ich habe Glück gehabt……“ ? Aber:

Mein Vater wäre heute 117 Jahre alt geworden. Als Jugendlicher und als junger Mann habe ich oft gedacht, für einen Jungen ist es besser, wenn er ohne Vater aufwächst. Ich kenne Männer die viele, viele Jahre gebraucht haben um sich von ihrem Vater zu emanzipieren. Ich nicht. Wikipedia: „Emanzipation stammt von dem lateinischen Wort emancipatio, das „Entlassung des Sohnes aus der väterlichen Gewalt“ oder auch die „Freilassung eines Sklaven“ bedeutet.“

Ich hasse Waffen und Krieg „spielen“ Franz, Emil, Wilhelm ist nur 41 Jahre alt geworden. Soweit ich gehört habe, war er nur sehr ungerne Soldat.

Je älter ich geworden bin, je mehr habe ich aber meinen Vater vermißt. Er muß ein sehr interessanter Mann gewesen sein, der sich nicht so leicht in irgendwelche Schablonen pressen ließ. Ich würde heute gerne mit ihm über das Leben und wer weiß was noch diskutieren. Den Großvater väterlicherseits habe ich noch kennen gelernt. Er war über neunzig. Ein stolzer alter, sehr großer Mann, (vielleicht ist er mir so groß vorgekommen, weil ich so klein war?) dem offensichtlich das Lachen im Leben vergangen war. Er hat kaum ein Wort mit mir kleinem Scheißer gewechselt, trotzdem habe ich ihn bewundert.

Sonntag 17.10.

19,00 Will mir „Heute“ ansehen und schön strahlt die frisch gestrichene Hamburgerin Jana Pareigis aus meinem Fernseher. Muß das sein? Der alte Rassist sagt nein! Als ich gerade überlege, ob ich mich eigentlich ärgern darf, oder nicht, da erscheint mein Schwuler Lieblings Berichterstatter Theo. Danach Mai Thi Nguyen-Kim. Tolle Frau. Aber muß das sein? Wenn man heute Frau Roth auf dem Grünen Parteitag zugehört hat, dann ist das genau das, worüber ich alter Sack mich gerade wieder ärgere, von den Grünen gewollt und angestrebt wird. Helmy hätte sich gewundert aber nicht geärgert. Ich wundere mich nicht mehr, aber ich ärgere mich!

18,00 Ich habe viel Zeit zum Nachdenken, oder grübeln, ganz wie man will. Manchmal gut, manchmal nicht. Was mich mein Leben lang beschäftigt hat, und seit Helmys Krankheit immer mehr, alles auf der Welt funktioniert nach Gesetzen, nach Regeln, nach Prinzipien, nach Ordnungen, nach Konzepten und was weiß ich noch alles. Nur das Leben funktioniert anders. Mein Freund Therayut war der Meinung das alles Gute, was ein Mensch im Leben tut, ihm gutgeschrieben wird. Und genau so mit den bösen Taten. So eine Art Konto, und je nachdem wie der Saldo aussieht, geht es dem Betreffenden dann gut oder schlecht. Aber das funktioniert alles so scheinbar nicht. Ich bin absolut sicher, daß Helmy´s Konto nach diesem Prinzip weit im Plus war, und trotzdem ist es ihr sehr, sehr schlecht ergangen. Sie war ein lieber unschuldiger Mensch, der das nicht verdient hatte, was passiert ist. Wie mein Konto aussieht möchte ich lieber nicht wissen.

14,00 Laßt Euch Kaffee und Kuchen schmecken, ich habe leider keinen Kuchen oder ähnliches, nicht weil ich mir das nicht leisten könnte, sondern weil ich zu blöd bin auf der einen Seite beim Einkauf daran zu denken, und auf der anderen Seite zu faul bin, eben mal zum Cafe´ zu fahren, um mir welchen zu holen. Ich werde mir gleich einen Bratapfel mit viel Zucker machen, ist auch lecker.

10,00 Ich schäme mich ehrlich. Ich habe den Geburtstag meines Urenkels mal wieder vergessen. Ich habe mein Leben lang Probleme damit gehabt, Geburtstage zu behalten. Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich sogar schon Helmy´s Geburtstag vergessen habe, ja auch meinen eigenen, wenn Helmy mich nicht daran erinnert hätte. Als ich noch Chef ider Firma Keil war, graute es mir jedesmal vor meinem Geburtstag, weil meine „Freundinnen“ Frieda und Elli und meine „Freunde“ Ulrich W. und Günter genau wußten, daß ich Ihnen dann nicht verbieten konnte, auf mein Wohl zu trinken. Dabei war glaube ich weniger mein Wohl entscheidend, als das Trinken. 🙄

8,00 Ein schwedischer Freund hat mich um 7°° heute Morgen um einen Gefallen gebeten. Mach ich doch gerne, diese Bitten um einen Gefallen zu tun werden weniger je älter ich werde.

Der schöne Jude Gil Ofarim hat eventuell gar keine Kette mit einem Judenstern getragen, als er an der Rezeption des WESTINN warten mußte? Ein Schelm der böses dabei denkt.

Bei SWR habe ich gerade einen Bericht gesehen, daß ein älterer Mann die Radiologie verklagt hat, weil sie seinen Tumor übersehen haben. Die Klage ist abgewiesen worden, die Kosten der Gerichtsverhandlung trägt er. Ätsche Bätsch! Bei Helmy haben mehrere Radiologen ihren Tumor übersehen. Der Clou dabei ist aber, daß die Palliativmediziner sie zum guten Schluß auch noch umgebracht haben.

Der Alptraum war, daß ich irgendwo ankam und ziemlich unfreundlich – feindlich empfangen wurde. Ich denke, daß hängt damit zusammen, daß ich in Kürze wegen der Heizung nach Priorei muß, und ich Angst davor habe. Zum erstenmal seit dem wir nicht mehr dort wohnen, muß ich dann ohne Helmy dahin fahren, dazu kommt, daß sich sehr viel geändert hat, seitdem. Das Weggehen ist mir damals sehr leicht gefallen, mit Helmy. Das zurückkommen ohne Helmy ist die Hölle für mich. Ich weiß gar nicht, ob ich das überhaupt kann.

Mit meinem COPD war das Atmen in den letzten Wochen/Monaten wieder so, als hätte ich eine Plastik Tüte über den Kopf gezogen, mit einem kleinen Loch drin, zu wenig Luft zum Leben, aber zu viel Luft zum Sterben. Ungefähr seit Freitag habe ich das Gefühl, das Loch in der Plastiktüte ist größer geworden.

Samstag 16.10

22,00 Gerd Ruge ist tot. 93 Jahre alt geworden. Helmy und ich haben sehr gerne seine Berichte und Filme gesehen. Der paßte auch nicht mehr in diese neue Medienwelt. Schade, toller Typ!

19,30 „Verliebt sein ist nicht schwer, zusammen alt werden, dagegen sehr“. Für mich war verliebt sein zeitweise sehr schwer, das zusammen alt werden nicht. Aber das zusammen Tod-krank werden war sehr, sehr schwer.

17,30 Durch den Länderspiegel bin ich gerade daran erinnert worden, daß die Kraniche sich zur Zeit im Darß versammeln um nach Spanien, Frankreich oder Nordafrika zu fliegen. Helmy konnte sehr lange stehen bleiben, im Urlaub im Darß, um die Kraniche zu beobachten. Sie war ganz aus dem Häuschen, wenn sie die Schreie der ziehenden Kraniche hörte. NIE WIERDER! Heulen.

13,00 Die Wohnung ist Swiffer geputzt, Das Paket mit meinen Medikamenten habe ich aus der neuen Packstion geholt, 150 Meter entfernt. Das Altglas habe ich in den Container gebracht, die Jeans habe ich gewaschen und die Frikadellen von gestern habe ich kalt mit einer Scheibe Brot und Senf gegessen. Jetzt freue ich mich auf mein Mittagsschläfchen!

So sah Kattwinkel 1931 aus und auch noch Jahre später. Hier habe ich mit meinen Freunden meine Jugend verbracht, viel Unsinn angestellt. Unser Nachbarn Rötz hatten immer irgendwelche Waffen. Wilfried, sein Freund May, den Vornamen habe ich vergessen, Manfred und ich hatten Hans Erich Rötz dazu überredet uns seine 9 mm Flobert zu leihen. Normale Floberts haben ein Kaliber von 6mm, aber Hans-Erich hatte eine Spezial mit 9mm Kaliber. Wir sind damit auf die „Ent“ gezogen, Wiese oberhalb der „Rehbecke“ . Wir kamen uns vor wie Jesse James. Jeder durfte mal schießen und Wilfried machte dann irgendwelche bescheuerten Bewegungen, es löste sich ein Schuß und sein Freund May fing an zu jammern. Oh, Scheiße was nun. Der arme Kerl hatte eine Kugel im Oberschenkel stecken. Ich weiß nicht warum, wahrscheinlich weil meine Mutter eine examinierte Krankenschwester war,🤣🤣🤣 wurde ich beauftragt zu versuchen, die Kugel aus dem Bein rauszuholen. Wir sind also nach Hause gegangen, haben ein Kartoffelmesser, einige Mullbinden und Jod geklaut. Dann sind wir „in die Tannen“ gegangen und mit den Vorbereitungen begonnen. Zum „desinfizieren“ des Kartoffelmessers haben wir ein kleines Feuer gemacht, das Opfer mußte die Hose runter ziehen und als das Messer heiß war, habe ich angefangen zu „operieren“. Bis dahin hatte die Wunde nicht viel geblutet, aber dann gings los. Sehen konnte man nichts, aber ich fühle an der Spitze des Kartoffelmessers die Kugel. Ich habe gebohrt, mal rechts, mal links, usw. und versucht die Kugel rauszubekommen. Der arme Kerl jammerte immer lauter, und ich weiß nicht, wie lange diese Quälerei gedauert hat, aber irgendwann hatte ich auch keinen Mut mehr weiter zu machen. Wir brachen die Operation ab und haben dann den Oberschenkel dick in Mullbinden eingepackt. Erstaunlicherweise lies der Schmerz dann auch nach. Wilfried und sein „verwundeter“ Freund gingen nach Hause und ich habe die Flobert zu Hans – Erich zurückgebracht. Natürlich habe ich ihm nicht gesagt, was passiert war. Wir haben alle schlecht geschlafen, der May war wieder zu Hause in Hagen, und nach ein paar Tagen haben wir uns vorgemacht, alles ist gut. Aber gar nichts war gut. Die Kriminalpolizei erschien bei Wilfried, dem Schützen und begann zu ermitteln. Der May klag inzwischen im Krankenhaus, Er war aufgefallen, weil im der Eiter aus der Hose lief. Jedenfalls hat Wilfried und der May der Polizei gegenüber so viel dummes Zeug geredet, daß die Polizei scheinbar aufgegeben hat. Die Polizei war weder bei mir, noch bei Hans – Erich. Der May hat das alles ohne bleibende Schäden überlebt. Gott sei Dank. Und wer mir die Story nicht glaubt, ich schwöre es war genau so.

Freitag 15.10.

20,00 Manche Tage sind schlimmer.

Wenn Dich Dein Schatz nach 60 Jahren so ansieht, was ist das?

16,30 Als ich das Fernsehen einschaltete lief die Serie „Die Rosenheim-Cops“. Der Kommissar Hofer saß mit seiner Schwester am Mittagstisch (?) und auf dem Tisch stand eine Zassenhaus Pfeffermühle für die wir vor vielen Jahren die Formstähle geliefert haben. (Fa. Locatelli)

Otto Fürst von Bismarck soll gesagt haben: «Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte und die vierte verkommt.» So ähnlich ist es bei Zassenhaus auch gelaufen. Meine Meinung.

14,30 Die Frikadellen sind gut geworden, schmecken so ähnlich wie Deine. Zwei Stück liegen im Kühlschrank für Morgen.

10,00 Gerade war noch Montag 10 Uhr. 4 Tage dazwischen. Was habe ich eigentlich gemacht, oder geschafft während dieser Zeit? Ich sehe nichts. Der Müll muß runter, Essen kochen, schlafen, ein bißchen Krimi sehen, und schon ist die Woche wieder rum. Und der nächste Geburtstag ist schon wieder näher gerückt, es geht immer schneller je älter man wird. Man freut sich schon auf die Zeit in der man nicht mehr arbeiten muß und nur noch das Leben genießen. Aber Shit, nicht alles wird gut! Hier gilt dann wieder der Spruch von John Lennon: „Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ 

9,00 Mir war gestern schon klar, daß mir die Eisenspritze und die Grippeschutzimpfung zusammen nicht gut bekommen würde. Schlecht geschlafen. Einmal die Fotos angesehen, ein bißchen geweint und jetz mache ich weiter.

Heute soll die Heizung in die Prioreierstr. 11 geliefert werden. Ich muß mich überraschen lassen.

Donnerstag 14.10.,

20,00 Mir ist gerade etwas eingefallen zum Thema „Essen gehen“. Auf einer Messe in Singapore auf der ich zusammen mit meiner Chefin war, wurde Sie von wichtigen Kunden abends zum Essen eingeladen mit anschließendem Disko Besuch. Warum mich meine Chefin mitgenommen hat in diesen „erlauchten“ Kreis weiß ich nicht. Jedenfalls war es für mich eine große Ehre mit diesen wichtigen oder wichtig tuenden Menschen vorzüglich in einem sehr teuren Restaurant zu essen und anschließend ganz locker mit dem Neffen von Suharto, dem Indonesischen Ministerpräsidenten, in der Disco zu trinken und zu diskutieren. Das war damals ein ganz schön großer Schritt vom Chef einer kleinen Drechslerei, der sich sein Leben lang mit halbgescheiten Säufern und kranken Idioten rumgekriegt hatte, weil in dem schönen Nest Kattwinkel keine qualifizierten Arbeiter zu bekommen waren, zum Reisen durch die Welt. War eine schöne Zeit, wenn natürlich auch nicht alles eitel Freude Sonnenschein war. Ich bin dankbar dafür, daß irgendwer, irgendwas mich aus dem Gefängnis in Kattwinkel befreit hat. Uns befreit hat.

10,00 Außer dem Eisen habe ich jetzt auch noch eine Grippeschutzimpfung bekommen. Helmy wollte die Grippeschutzimpfung nie.

Es regnet in Leipzig. Die drei großen Hunde im 5. Stock müssen aber trotzdem kacken. Als sie dann kletschnass zurückkamen, hatte ich das Vergnügen den Geruch von drei nassen Hunden im Fahrstuhl zu genießen. Ach, stell Dich nicht so an!

8,30 Das Wort zum Donnerstag. Unverschämt und egoistisch, wie ich nun mal bin, denke ich manchmal, Helmy warum hilfst Du mir nicht mal ein bißchen, Du bist doch vielleicht jetzt dort, wo über unser Leben hier „unten“ entschieden wird? Und Du hast mir immer, immer geholfen. Aber im nächsten Moment denke ich, vielleicht hilfst Du mir ja, ich merke es nur nicht`? Vielleicht ginge es mir ohne Deine Hilfe viel schlechter? Scheint alles nicht so einfach zu sein. Steve steckt für mich ziemlich oft eine Kerze an. Hilft mir das ? Wie ginge es mir, wenn er das nicht täte. Oder wie sieht es zum Beispiel aus mit dem Vater, oder dem Opa aus, der auch nicht mehr unter den lebenden ist und zusehen muß, wie die Kinder oder Enkelkinder die Firma an die Wand fahren, die er sein Leben lang aufgebaut hat? Offensichtlich kann Papa oder Mama nicht helfen.

Mit solchen und ähnlichen Theorien bin ich aufgewachsen. Ich habe mich schon früh dagegen gewehrt. Aber wie man sieht, hat mir meine Tante Ise das so fest in meine Birne eingebrannt, daß es nicht wieder wegzukriegen ist.

Mittwoch 13.10.

22,00 Ich habe mir heute ein paar Äpfel gekauft, frei nach dem Motto: „An apple a day keeps the doctor away“. So hart und sauer wie die sind, fürchte ich eher das Gegenteil. Habe mir einen Apfel in dünne Scheiben geschnitten und zusammen mit Zucker in der Pfanne gebraten. Lecker.

12,30 Das achtjährige Mädchen, welches sich am Sonntag verlaufen hatte, erinnert mich an „Helmy und Gerhard verirrten sich im Wald“. Bei einem Besuch in Masuren vor vielen Jahren, wir hatten noch kein Smartphon mit Navi, sind wir in den riesigen Wäldern um Mikołajki herum im Wald spazieren gegangen. Viel gequatscht, seltene Pflanzen gesehen, kleine Seen und vieles schöne mehr. Jedenfalls wollten wir dann irgendwann wieder nach Hause und gingen den Weg einfach wieder zurück. Biss zur nächsten Wegkreuzung. Rechts, links oder gerade aus? Alles sah gleich aus. Dann die nächste Wegkreuzung. usw. Bis wir dann endlich an eine asphaltierte Strasse kamen und nach kurzem Weg ein Wegweiser. Als wir wieder zu Hause waren, waren wir mehr als 5 Stunden unterwegs gewesen. Ich will nicht sagen Angst hatten wir, aber es war ein sehr, sehr schlechtes Gefühl!

11,30 Wocheneinkauf erledigt, keine Polizei, keine Schmerzen, Bohnensuppe habe ich schon gestern Abend gekocht für heute und morgen, denn morgen muß ich mir die zweite Eisenspritze abholen. 6 Ampullen Eisen kann ich heute in der Apotheke in den Promenaden abholen.

Dienstag 12.10.

18,00 Ich hatte ganz vergessen, wie einfach es ist, Bratkartoffeln in einer beschichteten Pfanne zu braten. Mit zwei drüber geschlagenen Eiern, richtig lecker. In der Pfanne werden mir wahrscheinlich auch Frikadellen gelingen?

11,30 Nachdem ich mir eine Stunde lang heulend meinen Foto Schatzkasten angesehen habe, bin ich mal wieder bei dem Lichter gelandet. Und ich sah einen tollen Tretroller, den in ähnlicher Ausführung mein Freund Wilfried besaß und ich total neidisch war. Der Roller war ein Vorkriegsprodukt und Opa Hasselkuß hatte ihn irgendwo organisiert. Ein tolles Teil. Das Hinterrad wird über eine Zahnstange angetrieben.

8,00 Ja, Recht hat Sie, manche sind auch erst mit 75 angefangen dummes Zeug zu schreiben! 😂
Abigail Rook @AbigailRook2
Seit Stunden feuern nahezu alle Rechtstwitter-Accounts gegen die zwanzigjährige Grüne-Jugend-Sprecherin #sarahleeheinrich, weil sie mit 14\15 dummes Zeugs getweetet hat. IM GEGENSATZ ZU EUCH HAT SIE MIT 16 DAMIT AUFGEHÖRT!

7,00 Ich weiß nicht ob das normal ist, jedenfalls denke ich in den letzten Monaten viel über mein Leben, über unser Leben und das Leben im Allgemeinen nach. Als ich als Produkt einer Liebe (hoffe ich) gezeugt wurde, arbeitete mein Vater als Krankenpfleger zusammen mit meiner Mutter, eine examinierte Krankenschwester, (auf das „examinierte“ hat sie ihr Leben lang größten Wert gelegt) in einer Düsseldorfer Klinik. Mein Vater hatte bis dahin schon als Erzieher für schwer erziehbare Jugendliche, als Köhler, und als Graphologe gearbeitet. Es war also keineswegs vorbestimmt, dass ich mich mein gesamtes Leben lang mit Holzdrehautomaten beschäftigen würde. War es vielleicht 1940 schon irgendwo vorbestimmt, dass ich im Alter als Verkäufer von Locatelli Maschinen enden würde? Und das ich irgendwann dann alleine, ohne meine Helmy, und ohne…….. in Leipzig sitzen und den schönen Zeiten nachtrauern würde? Oder ist das ganze Leben eine aneinander Reihung von glücklichen oder unglücklichen Zufällen? Oder bestimmt ein Gott, welcher auch immer, vielleicht zusammen mit seinem Team, oder alleine,  spontan und nach Lust und Laune, ob es mir morgen gut geht oder nicht. Oder ob die Polizei mich morgen erwischt und mir meinen BMW stilllegt? Davon hängt es dann vielleicht auch ab, ob der Zeitpunkt meines Todes schon fix ist, oder ob über mein Leben oder Tod irgendwann und irgendwo noch entschieden wird? Keine Antwort, da geht es mir so, wie den meisten anderen auch.

Montag 11.10.

9,30 Heute Mittag gibts grüne Bohnen durcheinander mit Bauchspeck, Alles geschnibbelt. Der Arm tut weh. Ich komme mir vor wie ein alter Mann 😮. Gleich den Müll runterbringen. Mache ich furchtbar gerne. Da ich auf meinen Rasierapparat warte, soll heute an der Packstation sein. werde ich das mit dem Müll zusammen erledigen.

Das war 1961

Sonntag 10.10

14,30 Die restlichen Pfifferlinge habe ich gereinigt, geschnitten und in Butter mit ein bißchen Frischkäse gebraten, gleichzeitig die Spaghetti gekocht. Dann alles zusammen in meine schöne neue Bratpfanne für 15,-€ und es hat super geschmeckt, genausogut wie mit unserer 100 € Pfanne von Karstadt. Ich Idiot wollte damals Helmy was gutes tun, aber die teure Bratpfanne war garantiert das falsche. Tut mir leid.

10,30

Es gibt nicht viel, woran ich wirklich glaube. Aber ich glaube 100 % zentig an die Liebe. Liebe Helmy, Ich will daran glauben, dass Du in meiner Nähe warst diese Nacht. Ich habe lange wach gelegen und über unser Leben, unsere Liebe und unsere Kinder nachgedacht und mich an viele, viele schöne Erlebnisse erinnert. Und das eigentlich zum ersten Mal ohne zu weinen seitdem Du nicht mehr bei mir bist. Warum haben wir beiden uns gefunden und uns sofort ineinander verliebt? Reiner Zufall? Es war sicher nicht immer eitel Freude Sonnenschein und manchmal haben wir auch ein oder zwei Tage nur sehr, sehr wenig miteinander gesprochen. Du warst manchmal zu Recht wütend auf mich. Das schlimmste was Du dann zu mir gesagt hast war „Du altes Arschloch“.Aber im Grunde wartete jeder von uns beiden darauf, dass der andere den ersten Schritt zur Versöhnung machte. Die Versöhnung war um so schöner je heftiger die Auseinandersetzung war. Mehr als sechzig Jahre sind wir uns treu gewesen, Ja, da bin ich sicher!!!

Ich habe Dich einmal mit einer Anderen betrogen. Ich war ein paar Wochen unterwegs gewesen. Du hast es sofort gemerkt, es mir auf den Kopf zugesagt und ich habe es sofort zugegeben, Danach haben wir uns geliebt und alles war schöner zwischen uns als vorher. Auch wenn das keiner glauben mag.

Ich glaube an eine Art Seelenverwandschaft zwischen Menschen. Es gibt Menschen an die ich jeden Tag denke und manchmal das Gefühl habe, wenn ich an sie denke, dass sie auch an mich denken, obwohl wir vielleicht ein paar hundert Kilometer voneinander entfernt sind.

Also gibt es doch etwas an was ich glaube. Und das Nachdenken hat mir scheinbar gut getan, denn ich habe zum ersten Mal, ich schätze seit zwanzig Jahren, bis 10 Uhr geschlafen.

Samstag 09.10.

15,00 Ich bin im Moment ziemlich eingeschränkt in meiner Bewegungsfreiheit. Beim Laufen keine Luft, beim Arbeiten Schmerzen. Ich komme mir vor, wie einer der auf einen Zug wartet und nicht weiß, was er bis dahin machen soll.

In Kürze muß ich nach Priorei, um die neue Heizung abzunehmen. Wenn ich mit meinem BMW fahre, ist das Risiko groß, ohne Auto nach Hause zu kommen. Ich überlege, ob ich die letzten finanz. Möglichkeiten dazu nutze, um mir einen anderen Wagen zu kaufen. Ich bin dann vollkommen blank und kann eventuelles unvorbereitetes nicht mehr verkraften. Aber: “ Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.“ Abwarten.

11,45 Eigentlich wollte ich mir die restlichen Pfifferlinge braten. Hab Schmerzen im Arm, schnibbeln geht nicht. Ich überlege, wie das geendet hätte, wenn Helmy nicht gestorben wäre und ich nicht mehr die Kraft habe sie zu versorgen? Ich schlafe jetzt, nachher geht es mir besser.

Freitag 08.10.

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Das ist kein dumm Tüch!!!

11,00 Es war schon mal schlimmer hat der liebe Herr Flenner gesagt, auf einen Vergleich mit meinem BMW hat er sich nicht eingelassen. Er hat mir die Laborblätter in die Hand gedrückt und gesagt: „hier, sehen Sie selbst“. Eisenwerte und Hämaglobin viel zu niedrig, CRP 3x höher als normal. Von 17 geprüften Werten sind 10 nicht normal. Ich soll mir nächste Woche Donnerstag die nächste Portion Eisen abholen. Wir haben eine Abmachung. Mein Basaliom geht ihn nichts an, um alles andere kümmert er sich. Ich kann wirklich nicht seine ärztlichen Qualifikationen beurteilen. Fest steht, daß er mich schon einmal vor dem Ersticken gerettet hat, und er ein guter Mensch ist. Glaube ich.

Mei ehemaliger Hausarzt Heimann hat mich, als ich ihn in einer sehr schwierigen persönlichen Situation um Hilfe bat, im Stich gelassen. Er hat mich wie einen Fremden behandelt, obwohl er mich und meine ganze Familie seit Jahren kannte und behandelt hatte. Das war für mich auch persönliche eine tiefe Enttäuschung. Er war aber immer noch harmlos gegen seinen Vorgänger Dr. Baghi, der mir, um mir das Rauchen abzugewöhnen, 10 Jahre lang DEMETRIN Tabletten in jeder Menge verschrieben hat. Als ich dann selber beschlossen habe „clean“ zu werden, habe ich ein Jahr benötigt, meine Hände wieder so ruhig zu bekommen, daß ich mit dem Schraubenzieher wieder eine Schraube eindrehen konnte. Die Kunden haben geglaubt, daß ich Alkoholiker wäre und deshalb so zittere. In den neunziger Jahren habe ich mich auch ca. zehn Jahre lang mit Magengeschwüren gequält, weil Herr Dr. Baghi einen bei mir diagnostizierten Helicobakter dingsbums ignorierte. Erst eine polnische Ärztin, die Vertretung machte, und den Befund in meinen Unterlagen fand, hat mich dementsprechend behandelt. 14 Tage später konnte ich wieder alles essen und habe seitdem keine Magenprobleme mehr gehabt.

Dieser Dr. Baghi wollte bei Helmy ein Haut Peeling im Gesicht durchführen, um ihre Schmetterlingsflechte zu heilen. Jedenfalls haben wir beide seine Behandlungen überlebt.

9,00 Mir ist gerade eingefallen, meine Tante ISE wäre am Dienstag 116 Jahre alt geworden. Ich gehe jetzt zum Arzt um meinen Tüv Bericht abzuholen. Ich denke mein BMW und ich sind in einem ähnlichen Zustand?

Donnerstag 07.09

17,00 Der Gastank für die neue Heizung Prioreierstr. ist heute aufgestellt worden. Die Heizungsanlage wird nach Angabe der Installationsfirma Ende nächster Woche geliefert und in den folgenden Tagen installiert. So der Plan. Ein guter Plan, hoffentlich klappt alles.

Da ich mich bei meinem BMW entscheiden muß, was passieren soll, habe ich mir mal andere PKW´s angesehen. Na Ja, eine neue Batterie ist billiger, aber damit bin ich ja noch nicht weiter.

Als ich nach Hause kam, ging der Lift mal wieder nicht, 4 Stockwerke hochsteigen, 😰

10,30 Der Arzt hat mir gleich eine Eisenspritze gegeben. Blutabnahme für großes Labor. Morgen wiederkommen und Ergebnisse besprechen. Lunge und Bronchen abgehört, ok.

Mittwoch 06.09.

15,45 Morgen früh werde ich erstmal zum Onkel Doktor gehen, und fragen, ob es sich für mich überhaupt noch lohnt, Geld fürs Auto auszugeben. Ich hoffe er hat gut geschlafen und er ist mir gut gesonnen.

Eine Bratpfanne habe ich mir dann heute doch gekauft. Unsere beschichtete Pfanne ist beschädigt und in der Stahlpfanne macht es für mich keinen Spaß etwas zu braten, alles brennt leicht fest, selbst Spiegeleier werden zum Kunstobjekt. Passend zur neuen Pfanne habe ich mir frische Pfifferlinge mitgebracht und werde gleich versuchen eins meiner Lieblingsgerichte zu zubereiten.

12,45 Bin erst jetzt vom Einkaufen zurückgekommen. Auf dem REWE Parkplatz sprang mein BMW mal wieder nicht an. Warten auf den ADAC Pannendienst. Der mußte mich belehren, daß die Betriebserlaubnis für mein Auto erloschen sei, da der TÜV schon monatelang abgelaufen ist. Gnädigerweise hat er mir dann trotzdem geholfen. Ich muß jedenfalls irgend etwas machen, sonst werde ich in Kürze mit dem Auto wegfahren und mit der Taxe nach Hause kommen. Alles Kacke. Deine Erna.

Dienstag 05.10

15,00 Langeweile, keine Lust, Fernsehsender durchzappen. Ich entdecke :“Freude am Leben“ ok, das ist was für mich, ich schalte den Sender Bibel TV ein. Gräuslich. Entweder sind diese Leute nicht ganz dicht, oder bei mir ist es schlimmer, als ich vermutet habe. Entschuldigung, aber das anzuhören, tut körperlich weh!

Also, ich werde jetzt doch mal die Wohnung putzen.

11,00 Zum ersten Mal die Heizung an in diesem Herbst. Morgens um 10 Uhr das Licht an, ist schon komisch. Zum heller machen eine Pille. Die Waschmaschine hatte ich gestern Nachmittag zu voll gemacht. Wäsche nicht trocken. Also aufteilen und nur mit Programm „Trocknen“ noch einmal laufen lassen. Um den schönen Morgen abzurunden, ist der Rasierapparat auch noch den Weg alles irdischen gegangen.

Ich habe nicht viele „wirkliche“ Freunde, altersmäßig ganz schön gestaffelt, ungefähr 40, 50, 60, 70. und 80 Jahre alt . Die Probleme dieser Altersklassen sind sehr verschieden. Aber man kann deutlich erkennen, daß jedes Alter seine speziellen Eigenschaften und Probleme hat. Es gibt unglückliche 40 Jährige, und unglückliche 80 Jährige. Aber komischer Weise auch umgekehrt. Verallgemeinern kann man das nicht, denn Glück und Unglück ist fast für jeden etwas anderes. Hinzu kommt noch :“ Heute so und Morgen so“ Also war die ganze „Analyse“ für die Katz. Mir geht es objektiv besser als vielen anderen 80 Jährigen, das ändert aber nichts daran, daß ich mich heute mal wieder beschissen fühle.

Die vielen gut gemeinten Ratschläge fallen bei mir auf unfruchtbaren Boden. Der Ungläubige Gerhard. Meine Meinung ist, das die Wahrscheinlichkeit, mit zunehmendem Alter glücklicher zu werden, genau so unwahrscheinlich ist, wie Armin Laschet Bundeskanzler werden wird, oder das der Atlantik um 7 Meter bis 2100 steigen wird, wie von den Friday for Future Mädchen angekündigt wird.

Montag 04.10.

16,00 Nachbarn. Tempolimit kann ich unter Umständen ja noch verstehen, aber daß einige Fanatiker dringend empfehlen, den Rasen jetzt nicht mehr zu mähen damit die Insekten wieder ein zu Hause finden? Ich kann mich erinnern, daß Helmy und ich die Wiese gerne wachsen ließen. Viele bunte Blumen und Löwenzahn. Ich gestehe, daß ich dann auch froh war den Scheiß Rasen nicht mehr mähen zu müssen. Aber es sah auch sehr schön aus. Geschmäcker sind halt verschieden. Böse Kommentare von meiner Kinder Freundin-Nachbarin Gilla waren die Folge. Heute habe ich keinen Rasen mehr worüber sich ein Nachbar beschweren kann. Aber es wird wohl jetzt bald wieder losgehen, daß ein lieber Nachbar mich dazu zwingen wirll, Äste von meinen Bäumen abzuschneiden, die seiner Meinung nach zu nahe an der Grenze stehen und somit das Laub auf seine Hütte fallen lassen. Da heute jeder Baum und sogar jeder Grashalm wichtig sind für die Insekten und Kleintierwelt, werde ich es mal darauf ankommen lassen. Ob ich wirklich muß oder ob ich nicht muß????? Es gibt halt solche und solche Nachbarn.

11,00 Das Wetter ist wieder bescheiden. Erst jetzt im Alter merke ich, daß das Wetter tatsächlich Einfluß auf meine Stimmung hat. Früher habe ich immer gedacht, die Alten spinnen doch. (tun sie ja auch wirklich. ha, ha, ha)

Helmy, ich versuche Deine Stimme zu hören, nichts. Deine Worte gehen mir durch den Kopf, aber ich höre nichts. In meiner kindlich naiven Vorstellung habe ich immer geglaubt, wir beiden könnten auch noch miteinander kommunizieren, wenn einer von uns beiden schon im Reich der Seelen ist. Vielleicht bin ich nur nicht sensibel genug, Dich zu hören. Ich versuche es weiter.

Sonntag 03.10

15,00 Da der ganze Besuch jetzt wieder weg ist (Scherz Ende) denke ich viel über Rosel und Rainer nach. Ich habe meine Cousine noch nie leiden können und Helmy konnte Rainer nie leiden. War also schwierig mit Verwandten aus dem „Osten“. Ich habe als 10 jähriger die einzige richtige Dresche von Meiner Mutter bekommen, weil ich meiner Cousine nicht mein Fahrrad leihen wollte. Es ist nichts passiert, aber ich lag damals auf dem Boden und habe gelacht während meine Mutter mit hochrotem Kopf auf mich eingedroschen und sogar ein paar mal getreten hat.

Während meines Besuches in der Datsche habe ich mit Rainer eine Woche verbracht, übrigens ohne Rosel. War gar nicht schlecht, wir hatten uns beide viel zu erzählen. Allerdings über Stasi und MI´s habe ich ziemlich wenig erfahren. Ne Menge Radeberger Pilsener ist dabei auch konsumiert worden. Rainer konnte Schnitzel mit Bier grillen, die super Klasse waren. Waschen morgens am eigenen Brunnen richtig zünftig.

Der Kontakt ist dann ziemlich schnell wieder eingeschlafen, bis Rainer dann eines Tages in seinem neuen BMW bei uns vorgefahren kam und in einem längeren Gespräch dann zur Sache kam. Er erkundigte sich nach dem Erbe der lieben Tante Ise, die ja auch Rosels Tante gewesen war. Leider hatte er damit eine Niete gezogen. Ich war Tante Ise`s Alleinerbe und hatte von Ihr ein Minus Kapitalanteil an der Firma Keil geerbt. Das kam zum großen Teil daher, daß Sie während der DDR Zeit größere Geld- und Spenden an die „arme Rosel“ geschickt hatte. Damit war der Kontakt dann wieder unterbrochen. Bis heute.

Rainer fuhr zu DDR Zeiten einen Ost-Fiat. Wer ein bißchen über die DDR weiß, weiß, daß es ein Privileg von Leuten mit „besonderen“ Beziehungen oder höher gestellten Partei Genossen war. dieses Auto zu fahren.

Ich habe den DDR Leuten auch in höheren Positionen nie irgendetwas vorgehalten. Ich möchte gerne wissen, wie unsere Wessi Kollegen sich verhalten hätten, wenn sie vermutet hätten, daß sich das System bis an ihr Lebensende nicht mehr ändert hätte. „Mit den Wölfen heulen“ ist eine weit verbreitete Eigenschaft.

10,00 Tag der Deutschen Einheit. Für mich ist der 9. November der entscheidende Tag. Ich erinnere mich noch genau, wie im Fernsehen gezeigt wurde, wie die ersten Trabbis die Grenze passierten. Viele Fahnen, lautes Geschrei und viele Freudentränen. Die ersten Menschen turnten auf der Mauer rum. Ich wollte sofort mit Helmy nach Berlin fahren und mit feiern. Doch Helmy konnte nicht und wollte nicht. Ich war traurig und beleidigt. Alleine fahren wollte ich schon damals nicht. Helmy hat den meisten Blödsinn mitgemacht, aber wenn sie nicht wollte, dann wollte sie nicht. Dann wollte sie auch nicht diskutieren. Also haben wir noch ein bißchen im Fernsehen dem Trubel zugesehen. Ich denke Du hattest ein bißchen Angst? Die DDR war Dir nie geheuer. Ich wollte schon vor der Wiedervereinigung mit Dir zusammen in die DDR um meine Cousine Rosel zu besuchen. Du hast Dich konsequent geweigert.

Wenn ich jetzt anfange über meine Cousine Rosel zu schreiben, die Direktorin einer Schule war, und ihrem Mann Rainer, der Kombinatsleiter eines Medikamenten Kombinats war, wird das zu lang. Wir waren überzeugt, daß man diese Positionen nicht erreichen konnte, ohne der Partei zu dienen, sprich ohne IM zu sein. Haben beide aber energisch abgestritten.

Samstag 02.10..

12,00 Ich höre mir die Reden von Bärbock und Habeck auf dem Grünen Parteitag an. Die beiden haben glaube ich noch gar nicht geschnallt, daß sie nicht alleine regieren werden. Habeck will die Regierungspolitik der nächsten vier Jahre aber maßgeblich bestimmen .Das ist jetzt alles noch Kür, schöne Reden, nichts konkretes, schöne Bildchen und piep, piep, wir haben uns alle lieb. Ich muß ehrlich sagen, ich kann es kaum abwarten, wie diese Leute mit der Pflicht fertig werden. Als der Philosoph Habeck von einem Pressevertreter gefragt wurde, wer denn die Mutter ist, in die er die Schraube gerade hineindrehen will, damit gut geschraubt werden kann, antwortete er, er habe eigentlich mehr an Spax Schrauben gedacht. Na dann.

Trettin, (67 Jahre alt) wettert gegen Merz (65 Jahre alt) warum er nicht endlich von der politischen Bühne verschwindet.

Helmy war offener für neue politische Neuerungen. Was würdest Du zu dieser Richtungsentwicklung sagen? Ich sage das wird nix.

11,00 Als wir 2010 nach Leipzig wollten, haben Helmy und ich uns Neubau Wohnungen angesehen von ca. 50 qm mit Balkon, Lift und Tiefgarage für € 45-60.000,-

10,00 Helmy, ich habe mir gerade ein Kaiserbrötchen von LUKAS im Backofen knusprig gemacht. Das ist so unendlich traurig ohne Dich. Nie wieder mit Dir zusammen.

9,00 Das muß ich ja unbedingt noch loswerden. In Katar wird zum erstenmal der Schura Rat öffentlich gewählt. Frauen sind auch zur Wahl zugelassen. In Katar sicherlich nicht selbstverständlich. Gewählt werden dürfen allerdings nur solche Katarer, deren Familien schon vor 1930 in Katar ansässig waren. Na ja, kommt bestimmt noch.

8,30 Alles wird gut!

Tagesschau 24 „Wir bringen Ihnen die Welt nach Hause.“ Höre ich. Nein, bitte, bitte nicht. Für mich ist schon jetzt etwas zuviel „Welt“ hier zu hause. Zur Sache Baden Württemberg: Die arme Schweinzüchterin erzählt gerade, daß sie bei jedem Schwein 40 € draufzahlt. Sie hat mehr als tausend Schweine. Was für eine arme Frau. Dabei fuhren die Bauern immer schon Mercedes, Brüssel macht es möglich. Und dann kommt der Geschäftsführer einer großen Firma mit seinem 400 PS starken BMW Plug In Hybrid. Das Auto wiegt 2 Tonnen und verbraucht angeblich 2 Liter Benzin. Dafür bekommt er vom Staat ein paar Tausend Euro geschenkt, weil er ja ein umweltfreundliches Auto fährt. Und Laschet erklärt gerade, warum er auch als zweiter Wahlsieger einen 100 % tigen Anspruch auf das Kanzleramt hat.

Wenn ich mir dann noch die Wahlen in Berlin ansehe, kann mir doch keiner mehr erzählen, daß die ehemalige FDJ lerin Merkel ein intaktes Land hinterlassen hat.

Freitag 01.10.

19,30 Ich hoffe, daß das Wetter am Wochenende einigermaßen wird und daß mich die Lust überkommt, spazieren zu gehen. Schön wärs, wenn ich dann auch noch soviel Luft bekomme, das ich nicht alle 50 Meter stehen bleiben muß! 😧